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	<title>Klaus Otte - Interreligiöser und interkonfessioneller Dialog</title>
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	<description>Offizielle Homepage von Prof. Dr. Klaus Otte</description>
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		<title>Lehm – Urstoff  &#8211; „ In den Religionen“ – In der Religion</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 11:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Otte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Veröffentlichungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Klaus Otte (Erschienen in ver&#228;nderter Form in: Pilz, Achim (Hrsg.): Lehm im Innenraum. Eigenschaften, Systeme, Gestaltung. Stuttgart 2010.) ‚Lehm’ ist heute ein Hit in der avantgardistischen Bau-Kultur. Schon die Erw&#228;hnung dieses archaischen Materials scheint oft emotional Faszination und Wohlbefinden hervorzurufen. ‚Lehm’ erinnert an uralte Berichte vom Ursprung der Welt. ‚Lehm’ meint irgendwie zutiefst Religion, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><span style="font-weight: normal;">Von Klaus Otte</span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="font-weight: normal;"><em>(Erschienen in ver&#228;nderter Form in: Pilz, Achim (Hrsg.): Lehm im Innenraum. Eigenschaften, Systeme, Gestaltung. Stuttgart 2010.)</em></span></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>‚Lehm’ ist heute ein Hit in der avantgardistischen Bau-Kultur. Schon die Erw&#228;hnung dieses archaischen Materials scheint oft emotional Faszination und Wohlbefinden hervorzurufen. ‚Lehm’ erinnert an uralte Berichte vom Ursprung der Welt. ‚Lehm’ meint irgendwie zutiefst Religion, wie sie sich in ihren Mythen und Ritualen zu erkennen gibt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Urt&#252;mliche Energien werden in moderner Wohnkultur erneut erweckt und vergegenw&#228;rtigt. Wer in einem &#214;ko-Haus aus solchem „Mutter-Stoff“ ‚Lehm’  wohnt, genie&#223;t sowohl die &#228;sthetischen Ausdrucksm&#246;glichkeiten als auch die seelisch-k&#246;rperlichen Wohltaten, die dieses Bau‚mater’ ial bieten kann. Sch&#246;nheit und Existentiale verbinden sich miteinander.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Im Reiz und in der Geborgenheit einer solchen &#246;kologisch verantworteten Architektur aus Lehm und  anderem nat&#252;rlichen Material im Westerwald wird der vorliegende Beitrag f&#252;r die Publikation  „Lehm im Innenraum“ geschrieben. Die F&#228;rbung des Lehmputzes mit gemahlenen Halbedelsteinen in Gr&#252;n-, Purpur- und Wei&#223;t&#246;nen wirkt auf den Verfasser dieser Zeilen ein.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Die wellenf&#246;rmigen Verzierungen der Lehmw&#228;nde mit gesammeltem kleinem maritimem und  arch&#228;ologischem Gebr&#246;sel aus aller Herren L&#228;nder in der ‚Graub&#252;ndner Arvenstube’ zaubern einen Hauch von uriger Globalit&#228;t ins Haus. Die marmorn blau-gr&#252;n-rot  gl&#228;nzenden Tadelaktfl&#228;chen in  Bad und Sauna, dazu die warmen Holz-Riegel-Lehmstein-Kombinationen strahlen ihren wohlig warmen Charme auf uns aus: Ein stiller Protest gegen seelenlos kalte Eisenbeton-Diktatur? Oder doch Br&#252;cke zwischen Urzeit und moderner Sachlichkeit &#8211; zwischen Lehm und Beton, zwischen humaner Phantasie und Notwendigkeit des Konstrukts? </p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Was auch immer! Welch ein Abstieg in die Vergangenheit und welch ein spannender Aufbruch in die Zukunft gesunden Bauens! Die Materie „Lehm“ &#252;berbr&#252;ckt anscheinend unendliche Gr&#228;ben in Raum und Zeit. Was einst war, wird einst in Ewigkeit sein: „olim“ – „ad olam“ (einstmals – dermaleinst – in Ewigkeit). Auch wenn nach biblischem Zeugnis „ein neuer Leib“ geschaffen werden soll – wird er auch aus Lehm sein wie der erste?  Zun&#228;chst geht es jedoch um den jetzt leiblichen Menschen und um  seine h&#228;usliche Umh&#252;llung, um seine Existenz und um seinen Lebensraum. Das Wohnen im Haus von Raum und Zeit braucht seine heilsamen Dimensionen: Der Mantel aus Lehm geh&#246;rt anscheinend unvermeidlich dazu. Lehm schafft ein besonderes Wohlbefinden und  klare Zukunft.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<h2>Lehm – Urstoff der Einwohnung des Lebens in Raum und Zeit</h2>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Lehm ist wie Leim: er bindet und verbindet, er schafft Harmonie zwischen g&#246;ttlicher Sch&#246;pfung und Menschendasein – zwischen Natur und des Menschen, zwischen Konstrukt und Produkt- Er &#252;berbr&#252;ckt das „Zwischen“  von Gott und Gesch&#246;pf. Im biblischen Sch&#246;pfungsbericht schl&#228;gt sich seine Genese und Funktionalit&#228;t nieder. Kulturweit erfahrene Weisheit spiegelt sich hier im j&#252;disch-christlichen Sch&#246;pfungslob des Buches Genesis wider.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Aus Ost und West, S&#252;d und Nord finden die Sch&#246;pfungsmythen im Dialog urspringenden Seins eine Aufnahme und gipfeln im Begriff ‚Lehm’ aus. Asiatische Weisheit genauso wie solche aus Babylon, Mesopotamien, &#196;gypten, aber m&#246;glicherweise auch die aus Afrika und aus Ur-Amerika, ebenso die der Aborigines oder Ainus und die des weltweiten Schamanentums korrespondieren gesammelt – verborgen -  im redaktionellen Bibelwort des Sch&#246;pfers „Es werde“ – „und es ward.“  </p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>&lt;Auch wenn nicht jede Tradition oder &#220;bersetzung die verschiedenen  Urw&#246;rter f&#252;r diese Materie mit ‚Lehm’ von einer Kultur in eine andere ‚hin&#252;bersetzt’, sondern im Rahmen ihrer jeweiligen ideologisch- theologischen Perspektive mal mit Erde oder Staub, mal mit ‚Lehm’ oder &#228;hnlich in ihrer  Sprache wiedergibt, so umfasst doch der Bedeutungsradius der &#220;bertragungen in jedem Fall mehr als nur die Definition eines stofflichen Materials.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Die g&#228;ngigen  deutschen &#220;bersetzungen mit ‚Erde’ oder ‚Acker’ in der j&#252;disch-christlichen Sch&#246;pfungsgeschichte Genesis 1+2 sind navigiert auf das Straf-Urteil &#252;ber die Schlange als der Verursacherin des S&#252;ndenfalls und der weltweiten Erl&#246;sererwartung – und der sp&#228;teren Absolutionsbr&#228;uche der Kirche.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Durch  die &#220;bersetzung mit ‚Lehm’ werden die verschiedenen hebr&#228;ischen W&#246;rter dem mythologischen Urverst&#228;ndnis des Bedeutungsbereichs mehr gerecht als ein nominalistisch-biblizistisches Begriffsverst&#228;ndnis. Zudem ist die Sinn&#252;bertragung dem gestellten Thema angemessener als das vordergr&#252;ndige Bibelverst&#228;ndnis.  (vgl. dazu auch die bekannte wissenschaftliche‚Apparatur’, auf die ich bewusst verzichtet habe, weil ich kein scheinwissenschaftliches Expose auf ein paar Seiten beitragen wollte.)&gt;</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Mythen scheinen untereinander global und &#252;ber Zeit und Raum hinweg in Kontakt zu sein. Solche Verbindung kann als &#220;berlagerung geschehen, sie kann aber auch wie eine sich selbst korrigierende Reinigung wirken. W&#228;hrend Selbstkorrekturen archaisch-globaler mythologischer Weisheit meist nur eine fast definitive Vorstellung von sich hervorbringen, weil sie die fr&#252;heren Schichten einfach verschlungen haben, erscheinen &#220;berlagerungen meist dynamisch-korrelativ als Prozess, weil die Ur-Elemente als Ph&#228;nomen noch sichtbar miteinander in Wechselbeziehung verharren.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Der menschliche Wahrnehmungsprozess bzw. die Selbstdarstellung des jeweiligen Mythos ist des weiteren wiederum dynamisch-korrelativ, weil die menschliche Kapazit&#228;t immer nur eines Teils des Gesamtmythos gewahr wird, w&#228;hrend der Mythos selbst gesamthaft prozessiert und sich entwickelt. So sind die mythologischen Darstellungen in jeder geschichtlichen Epoche und auch in jedem Raum der Welt unterschiedlich und doch m&#246;glicherweise universal identisch verbunden. Jedenfalls vernetzen sich Mythen &#252;ber regionale Grenzen hinweg zu einem fast transzendenten Erfahrungsreichtum. </p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Im archaisch-globalen Sch&#246;pfungsmythos verbindet sich der ‚Lehm’ ausdr&#252;cklich mit g&#246;ttlichem Geist zur lebendigen ‚adama’, zum Menschsein. Gott formt den Menschen aus Lehm und haucht ihm den Lebensatem ein. Die dem Lehm unverwechselbar eigene Beschaffenheit wird im heiligen Akt zur menschlichen Realit&#228;t schlechthin. Lehm wird zum prinzipiellen Adh&#228;sions- und Koh&#228;sionsmaterial des ewigen Sch&#246;pfungs- und Erhaltungsprozesses der Welt erhoben. Der Bund der Sch&#246;pfung mit Werden und Vergehen, mit Leben und Tod, mit altem und neuem Sein hat sich somit im Wesen des Lehms eingebunden. Lehm bindet zusammen und l&#228;sst auch wieder frei, wenn Verbinden und Trennen, Geb&#228;hren und Sterben es nach mystischem Ma&#223; so wollen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Im Lehmverbund halten der Urstoff und  die Einschl&#252;sse wie Ton, Mergel, Glimmer und anderem als Masse zusammen. Energien in st&#228;ndiger Wechselwirkung – nicht statisch w&#228;gbare Korpuskeln – scheinen  die Potenzen des Gebindes auszumachen, welche auch zur Heilung und Therapie genutzt werden k&#246;nnen. In der bildenden Kunst und der praktischen T&#246;pferei verwandelt sich die dem Lehm innewohnende Kraft sowohl in die &#228;sthetische Ausstrahlung der Skulptur als auch in die t&#228;gliche Notwendigkeit des Gef&#228;&#223;es. In der religi&#246;sen Erz&#228;hlkunst ruft Jesus sogar die Energie in den Lehmv&#246;geln hervor, dass sie leibhaftig auf- und davonfliegen</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Solche Lehm-Energie hat demgem&#228;&#223; nach dem biblischen Zeugnis ihre archaischen Wurzeln in noch fernerer Herkunft als in der vorliegenden Erz&#228;hlung Genesis 1+2. Diese feuchte irdene Masse aus Staub und Grundwasser ist zwar der Ur-Stoff bei der Sch&#246;pfung Adams. Der korpuskelhafte Staub aber und das Wasser weisen auf eine noch archaischere Sch&#246;pfung hin, welche zu dem gro&#223;en „Moses-Mythos“ und zu dem „Wunder allen Lebens aus dem Wasser“ geh&#246;rt. Die sch&#246;ne Episode der Auffindung des Moses-K&#246;rbchens im Nil durch Pharaos Tochter wei&#223; dieses Geheimnis allen Seins zu entmythologisieren und dem allt&#228;glich-plastischen Denken zu &#252;bergeben. Und jede heutige Geburt best&#228;tigtet es: Das Leben kommt aus dem Wasser. Gerade aber diese noch &#228;ltere Wei&#223;heit hat dem Material ‚Lehm’ die bindende und trennende Lebenspotentialit&#228;t zugesprochen und eingestiftet.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Indessen bedurfte die  &#228;sthetische Verwirklichung solcher Ur-M&#246;glichkeiten, wie sie das biblische Sch&#246;pfungshandeln bezeugen, solcher realistischen Verwirklichung. Mythen sind ja eigentlich st&#228;ndig auf Realisierung in Raum und Zeit angewiesen.  Aus dem mythischen Ur-Geschehen musste Zwischenmenschlichkeit und Sinnlichkeit werden. Der Geist Gottes – also das st&#228;ndige Urspringen allen Lebens -  wurde dem Lehm eingehaucht. Leben entfaltete sich. Mann und Frau, Gesch&#246;pfe und Sch&#246;pfung entdeckten sich erotisch miteinander. Und die Realit&#228;t und Sch&#246;nheit der Sch&#246;pfung traten hervor.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Aber Gesetz und Vorschrift kamen sofort mit ins Spiel, als ob die ‚So-wie-es-ist-heit’  alles Geschaffenen nicht ohne die Einmischung von Gesetz und Regel zu haben w&#228;re. Ist wirkliche Kunst die Gradwanderung zwischen Gesetz und dynamischer Weite?  Der Lehm scheint noch am meisten von seinen in ihm hervorgerufenen Ur-F&#228;higkeiten bewahrt zu haben und weitergeben zu k&#246;nnen: Freiheit und Zukunftsvision in der Abgrenzung  von Gesetztem und Gerahmtem. Lehmkunst ein Grenzbezirk zwischen mystischer Freiheit und immanentem Zwang? </p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>&lt;<em>Solche Freiheit ist nicht kausal durch &#228;u&#223;ere Begr&#252;ndungen gew&#228;hrleistbar, sondern sie lebt aus dem korrelativen Vollzug zwischen Grenze und Weite selbst. Die konstitutive Dialektik aus Materie und Gottesgeist bedingt auf die Dauer diese  Freiheit und wird sich zu ihren Gunsten durchsetzen. Freiheit geh&#246;rt zum Leiden, indem solches gelassen gelitten wird: d.h.  das ‚ Leiden leiden’ bzw. das ‚Nichts sich nichten  lassen’. Das ist das Urspringen der Energie, die den Lehm zum ‚Urstoff Religion’ machen kann.&gt;</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Zwang wird oft durch Mangel an diesen dialektischen-dynamischen Seinsbedingung erfahren, so wie es in rein rational-logistischen Systemen auftritt. Zwanghaft hektische Lebensweise macht sich bisweilen dabei unbewusst als Mangel an der Religion bemerkbar, die sich in der mystischen Tiefe der Seinsfrage aufh&#228;lt und das schnell fertige Reden von  institutional- konfessioneller und ritueller ‚Religion’ meidet.&gt;   </em></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>In dem sp&#228;tchristlich -aufgekl&#228;rten Weltbild mit seinen modernen Lebens- und Umwelts-problemen &#8211; zu denen unleugbar die ganze Palette von Bauen und Wohnen geh&#246;rt – findet die Frage nach menschengerechtem Dasein einerseits und Architektur gebundenem Konstrukt andererseits durch die Potentialit&#228;t des Lehms eine m&#246;gliche L&#246;sung, insofern die vermittelnde Kraft des ewigen und somit gegenw&#228;rtigen ‚Gotteshauches’ in irdischem Material die ontologisch-technokratischen Gegens&#228;tze zu &#252;berbr&#252;cken vermag. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Am Beispiel der entdeckten Eigenschaften des Lehms erweist sich die harmonisch-ganzheitliche Einheit des Daseins als Korrelation alles Geschaffenen zueinander.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Der im biblischen Sch&#246;pfungsbericht am Menschen und in der Humanit&#228;t fokussierte Mythos h&#228;lt das Wissen um die Dialektik allen Daseins wach und entlarvt die Sterilit&#228;t des Lebens als die materiell verflachte, unm&#246;gliche M&#246;glichkeit allen Seins.   </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>                                                           Ende</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Dialog des Glauben</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Feb 2007 15:47:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Otte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorlesungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Abschiedsvorlesung in der Peterskirche zu Basel am 02. Februar 2007 „Die Antwort des Glaubens&#8221; war der Titel des Lehrbuches f&#252;r Systematische Theologie, an dem ich zusammen mit Heinrich Ott und anderen Kollegen seit Beginn meiner T&#228;tigkeit als Pfarrer und Universit&#228;tslehrer mitarbeiten konnte. Dieses Lehrbuch wurde in Deutschland und in der Schweiz gerne zur Examensvorbereitung gebraucht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong><em>Abschiedsvorlesung in der Peterskirche zu Basel am 02. Februar 2007</em></strong></p>
<p>„<em>Die Antwort des Glaubens&#8221;</em> war der Titel des Lehrbuches f&#252;r Systematische Theologie, an dem ich zusammen mit Heinrich Ott und anderen Kollegen seit Beginn meiner T&#228;tigkeit als Pfarrer und Universit&#228;tslehrer mitarbeiten konnte. Dieses Lehrbuch wurde in Deutschland und in der Schweiz gerne zur Examensvorbereitung gebraucht. In Beirut und Kyoto diente es mir als Leitschnur und Erfahrungssparring bei meinen Gastprofessuren. Im letzten Jahr wurde dieses Gemeinschaftswerk sogar in Chinesisch herausgebracht.</p>
<p><span id="more-231"></span></p>
<p>Meine pers&#246;nlichen Arbeits- und Erfahrungsfelder waren eigentlich w&#228;hrend meines ganzen Berufslebens Kirchengemeinden, Seminare und Universit&#228;ten im In- und Ausland. Partner auf praktischem und wissenschaftlichem Gebiet waren nicht nur Christen aus der inneren &#214;kumene, sondern auch Vertreter aus verschiedenen anderen Religionen, also aus der gegenw&#228;rtig, notwendiger denn je, werdenden globalen &#214;kumene in einer zusammenwachsenden Welt.</p>
<p>„<em>Der Dialog des Glaubens&#8221;</em>, das Thema meiner jetzigen Basler Abschiedsvorlesung, ist aus dieser existentiellen Erfahrung im Laufe der Jahre gewachsen. Es ist nicht nur Lesefrucht und abrufbares Computerwissen, sondern Erleiden und Obsiegen in und mit dem Einen Gott. Es geht nicht in erster Linie um den Dialog der gl&#228;ubigen Individuen bzw. um den Vergleich pers&#246;nlicher Glaubenspositionen &#8211; darum geht es zwar auch &#8211; , sondern es geht um das Faktum des <em>Glaubensvollzugs als Seinserfahrung</em>.</p>
<p>Dieses Ereignis des Glaubens ist nach meiner Erfahrung weit &#252;ber die Abgrenzungen der jeweils einzelnen Religionsauspr&#228;gungen hinaus als Lebenswirklichkeit zu erleben. Seine Realit&#228;t ist als <em>zwischenmenschliches Ph&#228;nomen</em> nicht leugnen. Es steht wie ein ph&#228;nomenales Faktum in Raum und Zeit. Diese Weise des Glaubens bedarf nicht nur der wissenschaftlichen Analyse nach europ&#228;ischer Art, sondern lebt auch aus der realen Auswertung und praktischen Pflege kleiner und auch unscheinbarster Ans&#228;tze, eben der glimmenden Dochte in der D&#228;mmerung einer neuen Zeit.</p>
<p>Verbleibt der heute meist &#252;bliche Dialog zwischen unterschiedlichen gl&#228;ubigen Einzelpersonen oder auch privilegierten zust&#228;ndigen Institutionen f&#252;r Interreligiosit&#228;t oft genug beim Austausch von historischen und &#228;u&#223;erlichen Informationen, so zielt der Dialog des Glaubens auf <em>fundamentale Seinsvollz&#252;ge</em> hin. Seinserfahrungen entspringen der Tiefe der Religion und nicht ausschlie&#223;lich den abgeleiteten und historisch definierten S&#228;tzen der approbierten Glaubenssysteme. Es geht folglich in den folgenden &#220;berlegungen um den Weg von der informativen Antwort <em>zur Erfahrung des Glaubens im Dialog.</em></p>
<p>Der Dialog des Glaubens lebt in erster Linie von der induktiven Methode. Er l&#228;sst sich auf die <em>Erfahrung des wie auch immer gelebten Glaubens</em> ein. Aus einer Reihe unterschiedlicher Glaubenserfahrungen wird eine <em>Gesamtintention</em> sichtbar. Deduktion w&#252;rde dagegen die systematisch-theologischen Dialogbem&#252;hungen eher aus der Logistik der jeweils vorhandenen Glaubenss&#228;tzen ableiten. Mit letzterem sichert sich der heutige Universit&#228;tsgelehrte in der Regel ab. Induktion dagegen f&#252;hrt in oft noch unerforschtes Neuland und &#252;berl&#228;sst sich den Ma&#223;gaben der Realit&#228;t, welche in Zeit und Raum aus dem <em>Focus der Wahrheit</em> f&#252;r sich selbst sprechen.</p>
<p>W&#228;hrend sich die &#252;bliche deduktive Wissenschaft vom Dialog und seiner hermeneutischen Verstehenslehre &#8211; qua bekanntem Wissenschaftsbegriff &#8211; auf ausgewiesene Ableitung von Normen und Kategorien st&#252;tzt, wagt sich ‚der Dialog des Glaubens&#8217; auf das Feld experimentellen Neudenkens und neuer Kategoriebildungen als Schritt in eine dialogf&#228;hige Zukunft vor. Dabei kann sich der Charakter tradierter fundamentaler Kategorien gegen&#252;ber den bisherigen &#228;ndern. Aus den statischen Grundlagen kann sich die Notwendigkeit zur dynamischen Wechselseitigkeit des Seinscharakters ergeben. Aus einem statischen Seinsdenken kann ein dynamischer Umgang mit und im Sein werden. An die Bedeutung des Bu&#223;rufes Jesu „denkt neu&#8221; kann hier erinnert werden.</p>
<p>Der Dialog des Glaubens l&#228;sst sich auf die in Raum und Zeit wirkende Kraft der Tiefe der Religion ein und erf&#228;hrt in zweifacher Hinsicht eine konstitutive <em>Korrelation:</em> einmal die unabdingbare dynamische Wechselbeziehung zwischen dem <em>Mysterium der Religion</em>, dessen was die R&#246;mer „religio&#8221; nannten, und dem profanen Leben und zum anderen die Notwendigkeit der korrelativen Beziehung zwischen den dialogisch im sich ereignenden Glauben Verbundenen. Solche zwischenmenschliche Relation in Raum und Zeit ist das eigentliche ‚sine qua non&#8217; f&#252;r den Dialog des Glaubens, genauso wie die dynamisch-prozessuale Zweieinheit von urspr&#252;nglicher Religion und raumzeitlicher Existenz notwendige Erm&#246;glichungsbedingung zu sein scheint.</p>
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